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Die Eifelgöre
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Was ist schief gelaufen?

die-eifelgöre eine ungewöhnliche Lebensgeschichte
Veröffentlicht von in Autorenkommentar · 2 Juni 2018
Tags: Samstag
Ein kleiner Rückblick
Ist da etwa so Einiges schief gelaufen?
Wir existieren in einer ziemlich bewegten Zeit mit ganz spezifischen Herausforderungen. Momentan erleben wir exzessive Veränderungen im Weltgeschehen. Das erfordert sowohl Wachsamkeit als auch unsere Bereitschaft zur Weiterentwicklung auf allen Ebenen des Seins. Den Kopf einfach in den Sand zu stecken, im Nichtstun zu verharren und zu denken: „Ich kann als Einzelner ja sowieso nichts ändern“, ist sicherlich keine Lösung. Denn genau bei jedem Einzelnen von uns kann die hoffnungsvolle Veränderung beginnen. Was Menschen mit reichlich Lebenserfahrung so einigen sturen Besserwissern und Ignoranten anbieten können, ist die Quintessenz aus einer beachtlichen Menge an Lernaufgaben, die das Leben ihnen im Zuge ihres Reifeprozesses bescherte. Empfehlenswert wäre es, sich ihre Weisheiten und Ideen anzuhören.
Mir ist es gerade danach, als Nachkriegskind – was im Jahre der Währungsreform geboren wurde –, mit den folgenden Gedanken einen kleinen Rückblick und Vergleich zu wagen. In den ersten 10 Jahren meines Lebens, in der Nachkriegszeit, durfte ich in unserem Dorf einen ungeheuren zwischenmenschlichen Zusammenhalt erfahren. Ich erlebte, dass einer dem anderen half, und zwar ohne Murren. Beispiele: Wenn unser Nachbar Erdbeeren hatte, tauschte er sie mit meinen Eltern gegen Rhabarber oder Salat, und alle waren letztendlich zufrieden über den perfekt gelungenen Handel. Wenn ein glückliches Schwein geschlachtet wurde, dann kam es damals noch nicht in die Kühltruhe, sondern wurde mit Nachbarn, Bekannten und Freunden geteilt. Der verständnisvolle Josef half dem fleißigen Klaus beim Bauen seines Hauses oder umgekehrt. Das war geradezu eine Selbstverständlichkeit. Meine Mutter besaß eine Nähmaschine, konnte gut nähen, und sie nähte darauf nicht nur Kleider für sich selbst und ihre Kinder. Ein ausgewogenes Geben und Nehmen war zu dieser Zeit an der Tagesordnung.
Wenn der Winter vorbei war und meine Schuhe vorne meine Zehen einengten, dann machte mein Vater kurzerhand Sandalen daraus, indem er die Kappen fein säuberlich mit einer Rasierklinge abschnitt und Löcher ins Leder stanzte. Und ich war stolz wie Oskar, denn meine Füße konnten nun auch atmen, wenn ich nicht barfuß über die Wiesen lief. Heutzutage beklagen sich Pubertierende und werden schier depressiv oder unangemessen uncool, wenn ihre Eltern es sich nicht leisten können, ihnen Sneakers oder gar eine zerrissene Designer- Röhren-Jeans für 300 Euro oder mehr zu kaufen. Wie gewöhnungsbedürftig und beschränkt – besonders so mancher „ausgereifte Erwachsene“ – damit rüberkommt, ist eine andere Geschichte. Früher hätte der Träger solcher Hosen sich in Grund und Boden geschämt, heute ist er halt IN. So wandeln sich die Zeiten.  
Die Ferientage verbrachten wir meistens am nahegelegenen Fluss. Wann immer es passte, wanderten wir mit unseren Picknickkörben durch die Landschaft. Wir durften im sauberen Wasser baden und hatten viel Spaß. In der Nacht schliefen wir alle tief und fest, weil wir den ganzen Tag an der frischen Luft und nicht vor Fernseher oder Computer verbracht hatten, um nach und nach zu angstbesetzen, zwanghaften Marionetten sowie Konsumlämmern zu werden.
Heutzutage wird bereits derjenige mitleidig belächelt, der seine Ferien im Schwarzwald verbringt oder nur auf die Balearen fliegt. Kann er sich etwa nicht mehr leisten? Wir „armen“ Kinder von damals (Heute weiß ich, wie reich wir waren!) freuten uns noch über so viele Kleinigkeiten. Zu Weihnachten beispielsweise über Nüsse und Obst und vielleicht etwas Schokolade. Wir verbrachten die Winterabende mit meist ausgeglichenen Eltern, Großeltern oder Nachbarn zusammen in der Wohnstube, musizierten oder spielten Gesellschaftsspiele. Bei all dem erzählten wir uns, was das Herz so hergab und begehrte. Die Zeit war noch nicht gekommen, in der sich schlecht aufgelegte Menschen stündlich wie besessen um jeden neu geposteten Flatus (Furz) oder gar um den aufgespritzten oder operierten Busen eines Filmsternchens in den USA und dessen Liebesleben kümmerten. Die Menschen wurden noch in Würde alt und mit ihren Gebrechen geachtet, geliebt und umsorgt. Schönheitschirurgen waren – dem Himmel sei Dank – noch ein Fremdwort. Genauso wie Abschiebeheime für „ausgediente“ Menschen.
Dann kam das Wirtschaftswunder! Wohin hat es uns geführt? Ich möchte ganz gewiss nicht sagen, dass nicht vieles gut und in der Tat eine begrüßenswerte Verbesserung war. Doch die unsagbare Gier, Unersättlichkeit und Hemmungslosigkeit, die der sogenannte Fortschritt in so manchen Charakteren hervorgerufen hat, ist sicherlich mehr als veränderungsbedürftig. Rastlosigkeit, Hektik, Spannung, Sex- und Trinksucht, ausgebrannt sein und Profilneurosen, sind meines Erachtens das Ergebnis von einem ZUVIEL des Guten, durch das Erdenbürger unter anderem verlernten, mit ihren Lebensbedingungen zufrieden zu sein. Die Dosis macht halt immer das Gift!
Individualisten haben sich auf eine gefährliche Minderheit reduziert. Gesunde Schaffenslust und positive Entschlossenheit weichen zunehmend der Ruhmsucht, die Strebsamkeit einer rigorosen Machtbesessenheit. Doch es gibt auch die gegensätzlichen Zeitgenossen, die sich müde, noch nicht gänzlich ausgenüchtert, von allem total genervt desillusioniert zu ihrer Arbeitsstelle schleichen. Sie sehen oft keinen Sinn mehr darin, wirklich etwas zu leisten und zu bewegen, sondern warten nur noch auf die „Kohle“ am Monatsende. Die ganz natürliche Freude und Begeisterung an der täglichen Arbeit und für den ausgewählten Beruf fehlen meist gänzlich. Negative Emotionen, die das Gefühl von Sinnlosigkeit fördern und geradezu buschfeuerartig zur Resignation führen, gesellen sich bei diesen Menschen oft noch hinzu.
Wir kennen auch die vielen Neider, die sich allen Ernstes extrem benachteiligt fühlen, weil der Nachbar einen Porsche oder Maserati fährt und sie mit einem Kleinwagen unterwegs sind. Wie sagt man heute: „Geht’s noch?“ In einer Zeit, in der das Streben nach Luxus und gewissen Privilegien extrem gewichtig ist, gibt es die Selbstdarsteller nun einmal wie Sand am Meer. Diese „vermeintlich bedeutsamen“ Kandidaten möchten um jeden Preis auffallen und vor allem elitär wirken. Die Allermeisten haben sich jedoch ihr Luxusleben verdammt hart erkämpft und oft einen empfindlich hohen Preis für ihr äußeres Erscheinungsbild und ihre Statussymbole gezahlt. Haben sie auf diese Weise auch ein wirklich bemerkenswertes Selbstbewusstsein erlangt? Nicht wenige opferten auf dem Weg zu den von ihnen begehrten Errungenschaften ihre kostbare freie Zeit, nicht selten ihre Gesundheit, ihre moralische Größe, ihr ehrliches Herzgefühl und in der Regel auch ihre Partnerschaften. Viele von ihnen verzichteten während des aufwendigen Strebens nach Macht und Prestige freiwillig auf das Zusammensein mit ihren Liebsten und vernachlässigten vor allem ihre Kinder. Sie erlebten meist nur ganz am Rande, wie sie heranwuchsen. Was bitte ist denn daran zu beneiden?
Überalterte Menschen gelten inzwischen immer öfter als gesellschaftliche Belastung. Wie unkte ein furchtsamer, von der wachsenden Ungerechtigkeit und Rücksichtslosigkeit sehr genervter, früherer Patient von mir: „Irgendwann wird es höchstwahrscheinlich eine Prämie statt einer Strafe geben, wenn ein Raser einen Ruheständler beim Überqueren der Straße „erwischt“ oder ein „nutzlos“ gewordener, älterer Mensch durch fragwürdige medizinische (Versuchs-)Maßnahmen beseitigt oder gar anderweitig ins Jenseits befördert wird.“ Werden seine Befürchtungen Schwarzmalerei bleiben? Na, das wollen wir doch stark hoffen! Warten wir die Entwicklung einfach ab. Es kann in der Tat nur besser werden, wenn es anders wird. Obwohl die Zukunftsprognosen momentan nicht gerade superrosig sind, sollten wir die Hoffnung auf Besserung und das Hervortreten des guten Kernes, der bekanntlich in jedem Individuum schlummern soll, keineswegs aufgeben.  
Was keimt beim Lesen dieser Zeilen in IHNEN auf? Fänden auch Sie es begrüßenswert, wenn mehr Individualität, Authentizität und persönliche Note sowie Sinnhaftigkeit dem irrwitzigen und übersteigerten Heckmeck und Tamtam die Stirn bieten würden? Wenn gegenseitiges Verständnis (Empathie) und Rücksichtnahme im Alltag wieder die Oberhand gewännen? Ist es tatsächlich erstrebenswert, eine Art „Herdentier“ zu sein und in vielen Dingen nicht mehr selbständig zu denken und zu handeln und stattdessen „abzuhängen“, sich ins Koma zu saufen und somit als cool zu gelten?
Meiner – nicht zwingend maßgeblichen – Meinung nach, hat dieses Fehlverhalten unter anderem die wachsende Aggressionsbereitschaft gefördert, die sich bereits in kleinen Begebenheiten und ganz besonders beim Fahren auf unseren Straßen bemerkbar macht. Bringt die steigende Wut auf das ungerechte Leben in Kombination mit einer zunehmenden Unzufriedenheit nicht so manchen Amokläufer an den Start?
Natürlich, Jugendliche müssen seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte ihre Adoleszenz durchleben, ihren Weg und sich selbst erst einmal finden. Dafür brauchen sie allerdings nachahmenswerte Vorbilder. Hoffen wir, dass wir den etwas rar gewordenen Vorbild-Exemplaren zukünftig wieder öfter in unserem Leben begegnen. Gereifte, ausgewogene und mustergültige Erwachsene, Lehrer und Erzieher sollten in der Tat aus einem pathologischen Verhalten herausgewachsen sein und ihren Weg mit Liebe zum Sein, zu den Mitmenschen und zum Schutz der Erde gehen.
Schauen wir trotz aller Widrigkeiten gemeinsam auf die positiven Dinge dieser turbulenten Welt und Zeit. Meiden wir gezielt, was uns nicht gut tut und tragen miteinander dazu bei, dass unser Dasein lebenswert ist! Wenn jeder von uns Frieden in sich trägt, dann kann er sich nur ausbreiten.
Wo können wir also anfangen? Am besten wie immer – bei uns selbst!
Ihre Sally
© Sally Pantenburg


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