BLOG- „Die Eifelgöre“ Thema: Lebenshilfe – Lebensbejahung-Lebensphilosophie - die-eifelgöre eine ungewöhnliche Lebensgeschichte

Die Eifelgöre
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Die unbesonnenen Raser

die-eifelgöre eine ungewöhnliche Lebensgeschichte
Veröffentlicht von in Autorenkommentar · 4 August 2018
Rettungsgasse
An einem Tag, an dem es nicht nur regnete, sondern wie aus Eimern goss, fuhr ich auf der – für Unfälle berühmten und berüchtigten – A 8 von Rosenheim in Richtung Salzburg. Es war bis zu diesem Moment ein sehr schöner Tag gewesen, den ich zusammen mit einer Kollegin und Freundin verbrachte. Doch schon in Kürze sollte er sind wandeln.
Ich fuhr witterungsangepasst, zwischen 60 und 80 Stundenkilometer, und die Gefahr durch Aquaplaning war – selbst bei dieser Geschwindigkeit – immer noch recht groß. So einige Irre, die anscheinend lebensmüde waren, rasten an mir vorbei, und ich dachte nur: „Wenn das mal gut geht!“ Auch ein LKW-Fahrer gehörte zu denen, die sich so einiges zutrauten. Er setzte abrupt zum Überholvorgang an und kam dabei ins Schleudern, rammte einen anderen LKW und landete anschließend auf der Leitplanke, zum Teil sogar auf der Gegenfahrbahn. Bei mir war der Abstand genügend, es gab also keine immens große Schwierigkeit für mich, mein Auto zu stoppen. Besonnenheit und Fahrpraxis reichten, um das Schlimmste zu verhindern. Doch ein paar hinter mir hatten ihre liebe Not, weil sie alle zu dicht aufgefahren waren, und ein Auto mit Wohnwagen hing mir gefährlich nah an der Stoßstange. Nur um Haaresbreite verfehlte mich dieses Gespann. Aufgrund der unverantwortlichen Raserei so mancher Autofahrer war die Autobahn so verstopft, dass nicht so schnell eine Rettungsgasse gebildet werden konnte. Diese wäre aber zwingend erforderlich gewesen, weil die Polizei, vier Feuerwehrautos und einige Krankenwagen am Stau-Ende festhingen und nicht in der Lage waren, zügig anzurücken.
Weil die meisten Autos aber zu dicht aufeinanderhingen, war es fast unmöglich, zu rangieren und den Rettungskräften den notwendigen Weg für die Durchfahrt zu schaffen. Nie zuvor in meinem Leben, und ich fahre seit über 50 Jahren recht viel, habe ich ein solches Chaos auf der Straße erleben müssen. Was jetzt auch noch passierte war, dass einige Autofahrer in der viel zu langsam gebildeten Rettungsgasse drehten und schlussendlich als Geisterfahrer bis zur nächsten Ausfahrt zurückfahren wollten.
Ich traute wirklich meinen Augen nicht mehr! Sie blockierten abermals die Zufahrtswege. Ich dachte nur: „Na hoffentlich ist da vorne kein Schwerverletzter, für den es um Sekunden geht!“
Um es kurz zu machen: Das ganze Prozedere dauerte 5 Stunden, bis die Autobahn wieder geräumt und von zwei beschädigten LKWs und einer Menge Ladegut befreit war.
Während ich dort so festsaß, überdachte ich in der erzwungenen Pause das, was geschehen und auch gerade noch im Gange war. Zunächst war meine Dankbarkeit sehr groß, denn immerhin war ich vor Schaden bewahrt worden!
Außerdem befanden sich alle Personen, die in diesen Unfall involviert waren, nicht zufällig genau zu dieser Zeit an diesem Platz. Ich wünschte mir insgeheim, dass viele etwas aus diesem Geschehen gelernt hatten. Auch mir sollte die Situation natürlich etwas vermitteln.  Ganz am Rande lehrte sie mich Geduld und zu erkennen, wie schnell ein Plan und das ganze Leben verändert sein können. In Zusammenhang mit dem Ereignis durfte ich sehr herzliche und hilfsbereite Menschen kennen lernen. Der Wohnwagenfahrer schenkte mir, nach einem intensiven Gespräch über unsere gemeinsame Heimat Eifel, eine Flasche Mineralwasser, weil ich geäußert hatte, dass ich durstig war und nichts zu trinken bei mir hatte. Das passiert mir auch nicht noch einmal! Selbst nicht auf kurzen Strecken. Die Frau im Wagen vor mir lieh sich mein Handy aus, denn sie hatte ihres vergessen und wurde von ihrer Familie erwartet. Sie hatte eingekauft und bot mir etwas zu essen an. Die Polarität zeigte sich wieder einmal deutlich: Wo sich ein Unglück manifestiert, gibt es auch die schönen Momente des Glücks und der Zufriedenheit.  
Ich verglich in den von diesem Unfall geprägten Stunden den gegenwärtigen Moment mit den Begebenheiten des Alltags. Allzu oft wollen Menschen in gewissen Lebens-Situationen auch zu schnell vorankommen, und das bedauerlicherweise oft mit einer sehr ausgeprägten Rücksichtslosigkeit und Ellbogenmentalität. Das muss nach den geltenden Lebensgesetzen zu Missgeschicken, (schweren) Unfällen und diversen anderen Schäden führen. Auf der Straße gleichermaßen wie bei anderen Geschehnissen im Lebensalltag. Unbedachtheit, blinder Aktionismus und Egoismus zahlen sich nicht aus, sondern führen zwangsläufig zu Stress und in der Regel zu einer Vergrößerung der Probleme. Mit dem Kopf durch die Wand gehen zu wollen, hat noch niemals funktioniert, und so mancher hat sich dabei den Kopf an- oder sogar blutig geschlagen.
Und die Moral von der Geschichte:
Bleiben Sie – liebe Leser – stets ruhig, besonnen und tragen Sie mit dieser Haltung dazu bei, dass Rettungsgassen gebildet werden können, sowohl auf der Autobahn, als auch in den facettenreichen Situationen des täglichen Lebens. Jeder unachtsame, hastende und sich fahrlässig verhaltende Mensch kann ein Geschehnis enorm verschlimmern. Menschen die achtsam, verständnisvoll und besonnen reagieren, werden allerdings dazu beitragen, dass sich eine (Schief-)Lage verbessert oder reguliert. Mit einer konstruktiven Einstellung und dem ihr entsprechenden Verhalten kommt jeder von uns sicherer und besser ans Ziel. Wie ich an diesem Tag wieder einmal erleben durfte, kann selbst ein Einzelner, der die Situation richtig einschätzt und überblickt, erstaunlich viel Gutes bewirken und dazu beitragen, dass noch Schlimmeres verhindert wird. Hätte ich bei meiner Rückfahrt nach Hause und bei den schlechten Bedingungen beispielweise gedacht: „Na, die anderen fahren ja alle so schnell, und was die können, kann ich ganz bestimmt auch oder schon lange (Ego)“, dann hätte es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit heftig gekracht.
Bleiben Sie stets achtsam, handeln Sie vorausschauend sowie liebevoll!
Ihre Sally
© Sally Pantenburg


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