BLOG- „Die Eifelgöre“ Thema: Lebenshilfe – Lebensbejahung-Lebensphilosophie - die-eifelgöre eine ungewöhnliche Lebensgeschichte

Die Eifelgöre
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Unsichtbare Fesseln

die-eifelgöre eine ungewöhnliche Lebensgeschichte
Veröffentlicht von in Autorenkommentar · 28 April 2018
Festhalten – Warten und Hoffen
 
Wir Erdenbürger tragen den Drang in uns, nach Sicherheit zu streben und festzuhalten, was wir eventuell mit viel Mühe erreicht haben oder ganz einfach weiterhin besitzen wollen. Das können materielle Dinge sein, aber auch Menschen, die wir zu brauchen glauben.
Wir hoffen, dass unser Leben lebenswert bleibt, kein Krieg unsere Existenz bedroht und wir und unsere Lieben dauerhaft gesund sind. Wir wollen möglichst die Garantie, dass unser Lebenspartner uns liebt, uns niemals verlässt und ewige Treue schwört, unser Geld auf der Bank sicher aufgehoben ist, und, dass wir im Alter versorgt und abgesichert sind. Außerdem halten wir so manches in unserem Leben für allzu selbstverständlich. Viele Menschen befinden sich permanent außerhalb des existenziellen Momentes und damit häufig in einem Zustand des NICHT-WACH-SEINS. So suchen wir oft beispielsweise unser Glück in dem was kommt, in dem, was wir erhoffen und nicht in dem, was ist. Bereits im Alter von 40 oder 50 Jahren sehnt sich so mancher nach dem scheinbar bequemen Rentenalter, in dem alles besser, einfacher und auch schöner werden kann. Beziehungsgestresste warten sehnlichst und ausdauernd auf ihren Seelenpartner und hoffen, dass dieser sie endlich glücklich macht. Im Winter warten wir auf den Frühling, in der Hitze des Sommers auf den kühlen Herbst und dann erneut auf den schönen, weißen Schnee. Wenn es regnet jammern wir und wenn es nicht regnet, beklagen wir die Trockenheit. Viele Beschäftigte warten stur – und ohne selbst in Aktion zu treten – auf eine besser bezahlte Arbeitsstelle und werden im Lauf der Zeit zum  klagenden Opfer der ungeliebten, abgelehnten Umstände. Kaum ein Mensch ist mit seinen Lebensbedingungen wirklich zufrieden.
Dennoch halten allzu viele, von Furcht geprägt, an vermeintlich „Schlechtem“ fest, verharren in der Stagnation, wenn sich in ihrem Leben (größere) Veränderungen anbahnen, die sie eventuell sogar aus ihrer Krisensituation hinauslenken könnten. Falls das Leben sie zu einem Wandel drängt, erstarren sie häufig in der Angst, Fehler zu machen, wenn sie die gewohnten Gepflogenheiten aufgeben.
Wir sind von Geburt an geprägt und erzogen worden, gewissen Vorgaben zu folgen und sie nicht zwangsläufig zu hinterfragen. Manche Individuen sind wie betäubt und ersticken schier an dem, was sie alles in der Vergangenheit gebrandmarkt hat und unaufhaltsam Tag für Tag erneut auf sie einströmt. Sie erkennen nicht die längst überholten Verhaltensmuster, die  vorgefertigten Glaubenssätze und aalen sich immer wieder in ihrem Klischeedenken. Sie nehmen kaum wahr, wie sie von all dem beeinflusst sind und nicht zuletzt auf übelste Weise permanent über die Medien in allen Bereichen ihres Lebens manipuliert werden. Manchmal befinden sich derartig unglückliche Personen sogar in einer Art „Schockstarre“. Nicht wenige haben große Angst vor Verlust, halten krampfhaft an Gewohntem fest und legen sich damit selbst unbewusst stetig neue Fesseln an. Manche fragen sich sogar, wer sie denn überhaupt noch sind, wenn sie die Dinge verlieren, die ihnen bisher ihre (vermeintliche) Sicherheit gaben, egal ob ihre Arbeit, den Partner, die Gesundheit oder last but not least das liebe Geld. Auf diese Weise versagen sich Menschen nutzbringende Veränderungsschritte und sogar kleine, verlockende Lebensmomente, weil sie glauben und fürchten, dass sie beim Verlassen der gewohnten Geleise nicht „abgesichert“ sind.
Sie betrügen sich dabei um innovative Aktionen und die Freude genussvoller Momente, weil ihre Gedanken sie davon abhalten, das Leben wirklich in seiner ganzen Fülle zu genießen. Und sie sind traurig und oft total verzweifelt, weil vor allem das hier und da erhaschte Glück nicht dauerhaft anhält und sich wie ein Hauch viel zu schnell wieder verflüchtigt. Manche von ihnen vermissen allerdings angeblich nichts und möchten auch partout so weiterleben und auf keinen Fall Risiken eingehen. Das ist völlig in Ordnung!
Für all jene jedoch, die diese Begrenzungen nicht mehr stimmig finden, und die sich nicht weiter in ihrer Angst vor Neuem und Unbekanntem verlieren möchten, sind Akzeptanz und Mut gefragt. Die Akzeptanz, dass ich mich als Mensch stets genau in den Lebensumständen befinde, die für mich momentan gut und richtig sind und die ich in nahezu allen Fällen nach meinen Vorstellungen umwandeln, verbessern oder heilen kann. Der Mut, endlich eine Reform in Angriff zu nehmen und sich selbst bei diesen Schritten auch eventuelle „Fehler“ zu vergeben in der heilsamen Erkenntnis, dass es diese in Wirklichkeit ja gar nicht gibt. Bei jedem sogenannten „Fehltritt“ lernt jeder Einzelne von uns eine ganze Menge für das eigene Leben hinzu. Das können Unzählige aus der gemachten Erfahrung heraus bezeugen.
Ein Ziel vor Augen zu haben, ist eine Option. Doch wie viele von uns haben schon erlebt, dass die Freude und die Befriedigung nach dem Erreichen dieses Zieles nur halb so gewaltig in Erscheinung traten wie das Begehren, (endlich) an diesem gesteckten Ziel anzukommen. Das ist schon im Kleinen so. Wir glauben, ein Kleidungs- oder Schmuckstück unbedingt haben zu müssen, und legen uns eventuell sogar krumm, es zu bekommen. Kaum besitzen wir es, oder haben ein anderes Wunschziel erreicht, so merken wir meist, wir hätten das von uns so sehr Begehrte eigentlich gar nicht unbedingt gebraucht! Zumindest nicht unter der Prämisse, auf diese Art glücklicher zu werden.
Wenn ein hoher Berg vor uns liegt, und wir uns auf den Weg machen, ihn zu besteigen, dann ist diese Aktion voraussichtlich nicht durchgehend behaglich, sondern auch streckenweise kolossal anstrengend. Wie eben alles im Leben! Doch die Belohnung, für eine gewisse Zeit  ganz oben zu stehen und über das Tal zu schauen, ist unbeschreiblich erfüllend und bleibt in unserer Seele haften. Aber auch dieses schöne Glücksgefühl ist begrenzt! Zuverlässig erleben wir immer wieder und wieder im jeweiligen Moment genau das, was wirklich für uns zählt.  
Machen Sie sich auf den Weg, auf Ihren ganz speziellen Weg, und genießen Sie dabei – ohne Ausnahme – stets den gegenwärtigen Augenblick.
 
Ihre Sally
© by Sally Pantenburg
  
Klage nicht so sehr
über einen kleinen Schmerz;
das Schicksal könnte ihn durch
einen größeren heilen.
Friedrich Hebbel


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